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Indien erleben

Mit der Spielzeugbahn durch die höchsten Berge der Welt ... 

Wir sind unterwegs in Indien. Wir haben den Traum der 68er nicht nur geträumt, wir haben ihn in die Tat umgesetzt. Begleiten Sie uns durch Indien. Wir haben ein Verkehrsmittel gewählt, dass für dieses Land typisch ist und welches ein Sinnbild für die englische Kolonialzeit ist. Wir fahren mit der Bahn. 

Auf unseren Weg liegen zahlreiche Schluchten und die dazugehörigen Brücken, Berhänge und lange Pausen. Unser Ziel ist der Himalaja, bzw die Aussicht auf dieses Schauspiel der Natur. Ungefährlich ist so eine Reise nicht und sicher sehr weit von dem gewöhnlichen Familien-Pauschalurlaub entfernt. Auf eine derartige Reise sollten Sie sich gut vorbereiten und vor dem Start gut recherchieren. Wir sind im Bundesstaat Himachal Pradesh unterwegs.

Mit der kleinsten Bahn Indiens unterwegs ...

Unsere Bahn, mit der wir durch Indien reisen, ist nicht irgendeine indische Bahn, sondern es ist eine sehr kleine, ja eine zwergenhafte Ausgabe der gewohnten uns eigenen Eisenbahnen. Die Britten haben damals in der Kolonialzeit Indien mit der Eisenbahn erschlossen. So konnten Warenströme besser fließen und nicht zuletzt Aufstände und Unruhen militärisch besser kontrolliert werden. 

Und dann kommen die Schneegipfel ...


Wir sind aber nicht auf der Suche nach der alten Kolonialzeit, auch wenn uns diese ständig über dem Weg bzw. die Schienen läuft, sondern wir sind aus auf spektakuläre Berglagen, unberührte Natur, wollen die Inder "ganz privat" treffen und wollen den Himalaja erreichen.

Unser Schmalspurbahn, die auf den Namen Toy Train (Spielzeugbahn) hört, hat eine Spurweite von ca. 77 Zentimetern und fährt durch Unternen und den Mittleren Abschnitt des Himalaja. Die in Indien sehr beliebte "Toy Train" fährt von der Stadt Kalka nach Shimla. Unser Ziel Shimla gibt dann auch den Blick auf die Schneegipfel des Himalaja frei.

Die ideale Reisehaltung in diesem Zug ist die Sitzposition. Viele Menschen stehen aber auch und blicken durch die kleinen Fenster auf die an ihnen vorbeiziehende atemberaubende Natur. Als großer Mensch muss man sich schon ab und an bücken um durch die niedrigen Türen in den Wägen zu "schlüpfen". Komfortabel ist diese Art zu Reisen sicher nicht ... aber die Natur entschädigt für viele Widrigkeiten.

Unsere Fahrt geht in Kalka los. Der Zug fährt an und beschleunigt und plötzlich scheint er in seiner Bewegung inne zu halten. Die Toy Train ist nämlich nicht nur ziemlich klein, sondern sie ist auch ziemlich langsam. Der Zug erreicht gerade mal 14 Kilometer pro Stunde. Es weht aber dennoch ein kleiner Wind durch die Wagen und mildert so das Tropenklima etwas. 

Und dann geht es los ...

Kinder winken uns zu und eine Kuh steht nicht unweit der Gleisen und kaut noch gemütlicher - als der Zug beschleunigt - ihr Gras. Nun zieht die alte Dampflock schnaubend und zischend dem steilen Berg empor. Die Lock wird nun so langsam, dass man stellenweise glaubt, dass sie fast rückwärts fährt bzw. droht ins Tal zu rutschen. Aber die alte Puff-Puff-Bahn bleibt stolz und treu auf ihrem Kurs und erklimmt schließlich die Anhöhe.

Wir reisen. Ich muss an ein Gedicht von Joachim Ringelnatz denken, dass auch vom Zugfahren handelt "Ich habe Dich so lieb." (Link: http://www.ringelnatz.net/html/joachim_ringelnatz_gedichte.html#ichhabdichsolieb). Er schrieb das Gedicht in den 20er Jahren - schön, denke ich und dann kommt das Gefühl: "ich habe Dich auch so lieb - wunderschönes Indien".

Die Toy Train ist gar nicht so niedlich, wie man am Anfang denkt. Sie fährt über fast 900 Brücken, fährt durch über 90 Tunnel und wurde ganz knapp an die Abhänge des Gebirges gestellt. Der Zug ist also nicht niedlich, sondern mehr eine architektonische Meisterleistung. Über und unter der Zugstrecke tauchen kleine Häuser und ab und an auch ein Dorf auf. Sie hängen an den Hängen wie an einem Baum im Sommer die Äpfel. Die Landschaft ist grün und die Sonne sticht. Hier regnet es oft und so lassen die Monsumregenfälle die Landschaften trotz der unerbittlichen und alles trocknenden Sonneneinstrahlung erblühen. Wir fahren durch einem Meer von Grün.

Hier in dieser Gegend gibt es, wie in Hessen auch, einen guten Apfelwein. Hier gedeihen die Apfelbäume prächtig und so gibt es hier ein ganz ähnliches "Stöffche" wie in Frankfurt oder Offenbach. Die Welt ist also doch ziemlich klein, fast so klein wie der Zug in dem wir sie durchqueren. Vom Start- bis zum Zielbahnhof braucht die kleine Dampflock ca. fünf bis sechs Stunden und legt dabei fast 100 Kilometer zurück. 

Viele Inder lieben dies Strecke wegen dem Grün. Viele Inder leben im sandbraunen Gegenden. Dort gibt es viel Lehm und sandige Böden. Hier aber, hier im Zug machen die Augen urlaub in einem Traum von Grün. Daher ist dieser Zug in Indien sehr beliebt und dient eher als Ausflugsbahn und nicht so sehr als Logistikmittel. Setzen Sie sich doch auch mal in dem Toy Train und durchqueren Sie ein ganz anderes, da grünes, Indien.

Nach fünf Stunden erreichen wir Shimla und das Grün wird druch die weißen Spitzen der Himalaja-Berge durchbrochen. Ein unbeschreibliches Schauspiel. Ich drehe mich um und blicke zurück. Dieses Indien ist eine Reise wert und es ist nicht nur eine Reise in ein Land, es ist auch eine Reise in das Innere der Psyche. Trotz der langen Fahrt fühle ich mich so entspannt wie schon lange nicht mehr.

Quelle: NWP

   
   
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