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Mit dem Eisbrecher nach Finnland

Mit dem Eisbrecher nach Finnland

Wir sind heute im hohen Norden zu Besuch, im Land aus Eis und Schnee. Hier ist das Land des Winters. Mit normalen Schiffen ist vor den Küsten von Finnland kaum noch ein Durchkommen und wir nutzen für unseren Besuch "schweres Gerät". Unser Eisbrecher durchfurcht die weißen und meerblauen Platten und krachend gibt das Eis den Weg frei.

Mit 30 Stundenkilometern durchs Eis

So ein Eisbrecher braucht neben einem sehr starken Bug auch viel PS. Unser Eisbrecher hat immerhin 23.000 PS und sechs Motoren. So ein Eisbrecher kann bis zu 18 Knoten machen und reist so mit fast 30 km/h durch das Königreich des Eises. Dabei verbraucht er aber auch über 70 Tonnen Diesel und dies Tag für Tag. Eine Reise auf einen solchen Eisbrecher ist pure Action. Der Bug läuft auf die Eisplatten und für einen Moment hebt sich das ganze Schiff, der Krach ist atemberaubend und dann wippt das ganze Schiff nach unten und zerschmettert das gefrorene Wasser vor uns.

30 Zentimeter sind kein Problem

Unser Eisbrecher, die Osto, schafft Eisschichten über 30 Zentimeter ohne Probleme. Der Heimathafen unseres Schiffes ist Helsinki-Katajanoka und dort sind wir auch an Bord gegangen. Meine Frau und ich checkten in einer wahrlich sehr engen Kabine ein und entschlossen uns für kurze Zeit das harte Leben mit dem Seeleuten zu teilen und auf Entdeckungstour zu gehen. Wichtig bei so einer Tour ins Eis ist die richtige Kleidung. Sie sollten Mütze, Schal, Winterjacke und lange Unterwäsche nicht daheim vergessen.

Der einzige Luxus auf dem Schiff, das war in Finnland klar, war die Sauna und bei den kalten Temperaturen, war man ganz froh, wenn wir dort für einige Stunden einkehren konnten. Daneben befinden sich auf dem Schiff noch ein geheizter Swimmingpool, eine kleine Bücherei und ein ganz gut ausgestatteten Wellnessraum mit Fitnessgeräten.

Die Lebensader in den Norden

Für Finnland sind die Eisbrecher sehr wichtig, da Sie die Wirtschaft im Norden versorgen und so eine Lebensader für das Land sind. Ohne die Eisbrecher wäre der nördliche Teil des Landes in den Wintermonaten abgeschnitten bzw. viel schwerer zu versorgen.

Der erste Tag und die erste Nacht an Bord sind wunderschön und abwechslungsreich. Es gibt viel zu sehen. Der Maschinenraum ist gigantisch, die Aussicht von der Brück auf das eiserstarrte Meer verzaubert und der klare Sternenhimmel entschädigt für die Kälte, die unser ständiger Begleiter ist. An Deck sind es 20 Grad minus und in der Kabine oft auch nur 20 Grad plus. Am nächsten Morgen ankern wir d.h. das Schiff lässt sich zufrieren, Eisbrecher nutzen kaum die Ankeranlagen. Genug Zeit für einen Ausflug auf das Eis. Der Rundgang ist beeindruckend – man scheint auf dem Meer zu schwimmen, ohne das Wasser selbst zu berühren.

Der Räumdienst der Meere

Die Eisbrecher in Finnland halten auch die sog. Hauptfahrrinnen frei. Diese dienen den Öltankern aus St. Petersburg und anderen Häfen Russlands als Passage in den Süden. Die "Osto" ist ein sehr modernes Schiff. Zahlreiche Monitore und Anzeigen flimmern auf der Brücke und geben sekundengenau die Position und die Lage wieder.

Das Schiff wurde Mitte der 70er Jahre in Deutschland gebaut und vor zwei Jahren grundsaniert. Die russischen Öltanker fordern die Osto oft an, wenn Sie eingefroren sind oder einen Maschinenschaden haben. Dieser Service ist kostenlos und wird vom finnischen Staat und seiner Rederei Finstaship unterhalten. Neben Rettungsaktionen bricht die Osta auch Häfen frei und bringt Post und Lebensmittel in entlegene Gegenden. "Wir sind die Feuerwehr des Nordens", sagt Thomas Raunela, einer der Offiziere an Bord.

An Bord ist wenig von der erhofften Winterromantik zu fühlen und unter Deck geht sie ganz verloren. Viel Technik, wenig Platz zum Träumen. Die Aussicht aber, wenn man an Deck ist, überwältigt immer wieder - Kilometerweit kann man über das Eismeer blicken und sieht andere Schiffe in der Fahrrinne dahinfahren. Hier wird die Romantik durch das Märchenhafte, das Unwirkliche ersetzt und erfüllt dann doch den erhofften Traum vom unberührten und einsamen Norden, vom Leben inmitten der Natur und der Naturgewalten. Eine Fahrt auf einen Eisbrecher ist schon etwas Unvergessliches. Auf in den Norden! Auf ins Eis!

Quelle: NWP

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Home > Reisejournal > 2009 > Ausgabe 05/2009 > Finnland

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