Auf ins Vereinigte Königreich
Die Briten ...
Gehen auf der Insel die Uhren wirklich anders? Evtl. gehen sie dort ja sogar richtig und auf dem "Kontinent" falsch? Die, nennen wir sie, Insulaner, legen viel Wert auf Traditionen, fahren sogar deshalb mit ihren Autos auf der linken Straßenseite, mögen nasskaltes Wetter und sehen in der Queen mehr als nur ein Staatsoberhaupt. Hier gehen die Uhren wirklich anders und nimmt man den Rest Europas als Norm, gehen die Uhren hier wirklich fünf Minuten nach.
Einige Vorurteile die stimmen?
Die Insulaner sind ordentlich, sauber, sehr stolz (auf das Ex-Empire). Auf der anderen Seite macht aber auch die militante Fussballbegeisterung und die "Trunksucht" mancher Inselbewohner die "Kontinental-Europäer" staunen.
Aus eigener Erfahrung
Ich war vor zwei Jahren in London und habe dort mit Freunden Silvester gefeiert. Einen so ordentlichen und zugleich chaotischen Jahreswechsel habe ich bis Dato nie erlebt und auch danach nicht mehr erleben dürfen. Auf der einen Seite standen die Londoner brav und sehr geordnet am Ufer der Themse und warteten gedulig auf 12:00 Uhr, auf der anderen Seite tobten sich die Londoner danach in den Pubs aus.
Junge Frauen lagen vereinzelt betrunken auf den Fußgängerwegen oder torkelten von einer Bar zur Nächsten. Sie sehen also, dass die Vorurteile durchaus zutreffen - ab und an - und dass diese Siluetten der Insulaner oft auch gleichzeitig oder in naher Folge auftreten können.
Leben hier Indianer?
Der Brite ist eigentlich Westeuropäer und hat daher auch eine weiße Gesichtsfarbe. Aber kaum ist es Sommer und die Insulaner werden losgelassen, schon ziehen Sie über die grüne Insel und machen eine kleine Metarmophose durch. Ihre Hautfarbe ändert ihre Tönung ins Rötliche. Das Erstaunliche hier ist aber, dass der Brite keinen Schmerz dabei empfindet. Er geht weiter fröhlich im Sommer in die Sonne und kümmert sich kaum über sein indianisches Aussehen, sondern scheint die UV-Strahlung regelrecht inhalieren zu wollen.
Auf der falschen Straßenseite
Als ich noch ziemlich jung und gerade zehn Länze zählte, fuhren meine Eltern und besonders mein sehr mutiger Vater mit mir auf die grüne Insel zwischen Nordsee und Atlantik. Mein Vater wunderte sich nicht schlecht, als er hier links fahren musste. Zwar wusste er natürlich von dieser Eigenart der Briten, doch es fiel im sichtlich schwer unseren (damals neuen) Opel Ascona Sport unbeschadet durch die zahlreichen Verkehrskreisel und Kreuzungen zu führen.
Auf der Rückfahrt und auf der Fähre nach Frankreich angekommen, fiel ihm merklich die Anspannung vom Herzen und sein Gesicht wurde wieder wesentlich entgelassener. Diese, zugegeben, sehr merkwürdige Eigenschaft des Inselvolkes, teilen die Briten mit vielen ehemaligen Kolonien, den sog. Commonwealth-Staaten, so wird z. B. auch in Hong-Kong links gefahren und auch die Japaner halten links für rechts.
Geschichtliche Wurzeln
Der Grund für die, in unseren Augen, Fahrunsitte liegt tief in der Vergangenheit. Die Briten fahren links, weil man sich so besser verteidigen konnte. Da die meisten Menschen nunmal Rechtshänder sind, führten auch die Urbriten ihre Waffen in der rechten Hand und konnten sich beim Linksverkehr einfach besser vor entgegenkommenden Gegnern schützen. Da, wie wir schon lesen durften, die Briten arge Traditionalisten sind, wurde auch diese Eigenheit einfach beibehalten.
Hey Du mein Liebling
Obwohl die Briten im ersten Eindruck einen auf "cool" machen und oft sogar unnahbar wirken, hat ihre Sprache manch eine besondere Eigenschaft. Die Briten kennen nur das "You", was im Deutschen "Du" bedeutet. So wird der Professor beim Metzger, der Oberarzt beim Friseurbesuch oder der Bürgermeister im Reisebüro einfach geduzt, ohne dass der "Duzer" den "Geduzten" überhaupt näher kennt.
Im sprachlichen Umgang miteinander ist man also ziemlich gedankenlos und spricht nur den Adel tarditionell mit dem entsprechenden Titel z. B. Sir an. Die Briten sind also wieder sehr "zweiseitig": Einerseits sehr distanziert und höflich, auf der anderen Seite holen sie das "Du" aus der Tasche und scheuen auch keine gesellschaftlichen Hierachien.
Gerade jetzt, wo das Pfund recht günstig und das Reisen ins Vereinigte Königreich für Euroländer sehr erschwinglich geworden ist, sollten Sie dieser "eigenartigen" Insel einen Besuch abstatten. Lassen Sie sich ein auf eine Kultur, die zwar viel gemein mit der Unseren hat, aber sich doch durch einige Besonderheiten sehr liebenswert von der Unserer unterscheidet. Kommen Sie mit ins Land von Sir and Mandam.
Quelle: NWP